Kerthpul, Nordalbanien
Der Bürgerkrieg von 1997 hat in Nordalbanien ein Medizinzentrum zerstört. Nach der Renovation kann jetzt eine ganze Bergregion medizinisch wieder versorgt werden – dank der Zusammenarbeit einer Klasse der Kantonsschule Freudenberg in Zürich mit IPA.
Zehn Jahre lang waren Kerthpul, ein Bergdorf mit etwa 750 Einwohnern in Nordalbanien, und weitere Dörfer in der Umgebung ohne medizinische Versorgung, denn im Bürgerkrieg von 1997 war ihr medizinisches Zentrum zerstört worden. In dieser Notlage hatte sich der Kommunepräsident von Luf-Qerret im Distrikt Pukë, der die Dörfer verwaltet, an Ali Brahimi gewandt, den regionalen IPA-Partner.
Daraus entstand das Projekt, das Zentrum wieder aufzubauen und mit medizinischen Geräten sowie Medikamenten auszurüsten. Realisiert wurde es von einer Klasse der Kantonsschule Freudenberg unter Anleitung und Begleitung von Geschäftsleiterin Nicole Delavy, die bei IPA auch das Junioren-Team betreut.
Die Schülerinnen und Schüler generierten einen Teil der Projektkosten von rund 40‘000 Schweizerfranken und übernahmen das Projektmanagement. Dabei befassten sie sich auch mit Fragen der Nachhaltigkeit: Wie kann der Betrieb im Medizinzentrum aufrecht erhalten werden, wenn die im Rahmen des Projektes eingekauften Medikamente und Verbrauchsmaterialien aufgebraucht sind?
Die Lösung: Das Medizinzentrum wird in regelmässigen Abständen besucht, um festzustellen, welche Medikamente und Materialien ersetzt oder ergänzt werden müssen. Die Finanzierung dieser Artikel erfolgt über den eigens dafür eingerichteten «IPA-Medizin-Fonds», der regelmässig von Spendern gespiesen wird und natürlich nicht nur Kerthpul, sondern auch anderen Medizinzentren zugute kommt.
Nach erfolgreichem Abschluss der Renovationsarbeiten wurde die Klasse der Kantonsschule Freudenberg anhand einer PowerPoint-Präsentation mit vielen Fotos und eines Abschlussberichts über das Resultat ihrer Arbeit informiert: ein neu saniertes Medizinzentrum, das 3‘000 Menschen versorgen kann. Am Erfolg des Projektes waren auch die Kommune Luf-Qerret, die ansässige Bevölkerung und eine Baufirma mit Eigenleistungen beteiligt.
Einmal mehr machte IPA in Kerthpul die Erfahrung, dass in Transitions- und Entwicklungsländern ungeahnte Kräfte mobilisiert werden können, sobald man den Menschen zeigt, dass man sie nicht vergessen hat – auch wenn sie, wie ein Bewohner von Kerthpul sagt, «fast am Ende der Welt wohnen».
Und weiter: «Das Projekt hat uns viel Mut gemacht, denn es hat gezeigt, dass wir nicht in Vergessenheit geraten sind. Sobald man Hilfe erhält, bekommt das, was man selber zum Gelingen des Projekts beitragen kann, plötzlich Bedeutung, und man merkt, dass man nicht nutzlos ist, wenn man mit gleich gesinnten Partnern zusammenarbeiten kann.»
So profitieren am Schluss alle Beteiligten von diesem Projekt: die Bevölkerung vor Ort, die Schweizer Jugendlichen und IPA.



