Kousseri, Nordkamerun
In Kousseri rattern neuerdings die Nähmaschinen, fliegen die Späne. Über 50 Jugendliche besuchten die ersten beiden Lehrgänge in der neuen Berufsschule, welche IPA im Norden Kameruns aufgebaut hat.
«Das Zentrum ist mein grosser Traum», sagt Jonas Namekong, Schreiner aus Kousseri, «und ich bete zu Gott, dass ihr mir dabei helfen könnt.» Mit dem Zentrum ist eine Berufsschule gemeint, und die Hilfe für den Aufbau dieser Schule kommt von IPA. Die Idee zu diesem Projekt hatte Namekong selber, den alle nur «Papa Jonas» nennen.
Kousseri ist eine Stadt im Norden Kameruns. Sie zählt zwischen 150‘000 und 170‘000 Einwohnern. Die Stadt liegt an der Grenze zum Tschad. Kleiner Handel dominiert das Bild in den Strassen – und viele Strassenkinder, die kaum eine Chance auf Ausbildung erhalten. Aber auch für Jugendliche, die wenigstens die Primarschule besuchen können, gibt es fast keine Möglichkeit für eine Berufsausbildung. Hier setzte das Projekt einer Berufsschule in Kousseri an. Es ist langfristig angelegt und soll in einigen Jahren mehrere Fachrichtungen anbieten.
In einer ersten Phase bietet das CFPK (Centre de Formation Professionnelle de Kousseri) in einer alten Scheune und unter dem Dach eines Hangars Lehrgänge in Schreinerei und Schneiderei an. Dank Papa Jonas Werbung sprach sich in der Stadt schnell herum, dass es hier etwas zu lernen gibt. Anfänglich nahmen über 70 Jugendliche die Ausbildung in Angriff; mittlerweile sind rund 20 ausgestiegen, die von Stundenplänen und Strukturen überfordert waren. Die rund 50 Jugendlichen, die durchzuhalten bereit sind, werden nicht nur in Praxis und Theorie handwerklich ausgebildet, sondern erhalten auch Unterricht in Sprache, Mathematik und «éducation morale». Letzteres hat nichts mit Religion zu tun, sondern soll den Jugendlichen die Regeln der Gesellschaft beibringen. Auf dem Stundenplan der Mädchen stehen zusätzlich Fächer wie «Kinderpflege», «Familienplanung» oder «Haushaltführung».
Das CFPK bildet nicht nur aus, sondern führt auch Aufträge aus, vor allem in der Schreinerei. Pro Monat kommen so rund 500 Euro zusammen – ein vielversprechender Anfang auf dem Weg, eines Tages selbsttragend zu sein.
Die Kosten für das erste Jahr – Aufbau der Berufsschule in bestehenden Räumlichkeiten, also noch ohne Neubauten – beliefen sich auf CHF 170‘000; das Geld kam aus privaten Stiftungen – und von einer sehr spendablen Privatperson, die nicht genannt werden möchte. Auch der Staat Kamerun beteiligt sich am Projekt: Er hat dem CFPK für neue Bauten vier Hektaren Land geschenkt.
Das Team des CFPK ist sehr engagiert und hat in den ersten vier Monaten ohne Bezahlung gearbeitet. Jetzt erhalten die Lehrpersonen einen kleinen Lohn. Begleitet und betreut wird das Projekt von Aboukar Mahamat, dem IPA-Partner für Nordkamerun; geleitet wird die Schule von Mariatou Ngoungoure Mofing, einer jungen, intelligenten und fleissigen Frau. «Wir sind mehr als eine Berufsschule», sagt sie. «Wir holen die Jugendlichen ab und helfen ihnen, erwachsen zu werden.»




