Kousseri, Nordkamerun
Der Aufbau einer Berufsschule ist ein Langzeitprojekt von IPA. Nachdem 2009 erste Lehrgänge angeboten werden konnten, folgte 2010 der Bau von neuen Gebäuden.
Am Anfang war eine Idee: Der Schreiner Jonas Namekong wollte in Kousseri eine Schreinerei aufbauen, um Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen eine Ausbildung anbieten zu können. Da Papa Jonas, wie er genannt wird, über keine finanziellen Mittel verfügte, blieb es beim Versuch. Zwar waren die Jugendlichen interessiert, aber Papa Jonas hatte nicht mehr als ein paar Hämmer und Nägel. Dennoch war ein ernsthaftes Engagement spürbar. IPA nahm deshalb die Idee auf und setzte sich als Ziel eine Berufsschule mit verschiedenen Lehrgängen.
Der Hintergrund: In Kousseri, einer Stadt mit 177'000 Einwohnern in der kamerunischen Provinz Extrême-Nord, gab es bis anhin keine Berufsausbildung. Eine Lehre, wie es sie in der Schweiz gibt, kann man in Kamerun nicht absolvieren. Tausende Jugendlicher hatten nie die Chance, ein Handwerk zu lernen. Wer die Schule verliess (oder nie eine besucht hatte), musste selber sehen, wie er oder sie sich durchschlägt.
Mit der Eröffnung des Centre de Formation Professionnelle de Kousseri (CFPK) wurde 2009 ein erster Schritt getan, um diesen Missstand zu beheben. Es wurden erste Lehrgänge für angehende Schneiderinnen und Schreiner angeboten. In einer zweiten Phase begann Anfang 2010 auf einem Grundstück (5,18 ha), das der Staat Kamerun dem Projekt geschenkt hatte, der Bau von zwei neuen Gebäuden für Theorie und Praxis. Sie sind fertiggestellt, und der zusätzliche Lehrgang Stickerei steht auf dem Programm des Schuljahres 2010/11.
Für das Jahr 2 des CFPK waren rund 552'000 Franken budgetiert. 495'000 Franken konnten durch Spenden generiert werden. Diese Summe erhielt IPA im Wesentlichen von drei Geldgebern: der Leopold Bachmann-Stiftung, der Fondation H. Looser und vom Migros Hilfsfonds.
Da das finanzielle Ziel nicht ganz erreicht wurde, mussten zwei Teilprojekte zurückgestellt werden: Ein Hangar für die Ausbildung zum Maurer kann erst 2011 gebaut werden, und ein Gemüsegarten, den die Jugendlichen pflegen sollten, musste ebenfalls zeitlich verschoben werden.
Die neue Berufsschule in Kousseri stösst bei den Behörden und der Bevölkerung auf viel Wohlwollen. Alle sind sich bewusst, dass das CFPK eine grosse Chance für die Jugend der Stadt und der Region ist. Die Schule ist bereits seit Juli 2009 offiziell staatlich anerkannt.
Die Berufsschule wird von vier Personen geleitet. Die Schulleitungsmitglieder unter der Führung von Frau Ngoungoure Mofing arbeiten gut zusammen. Dank Weiterbildungen konnten die Fähigkeiten und damit auch die Kapazitäten des Teams gestärkt werden.
«Die Möglichkeit der Auszubildenden, sich bei Problemen an mich zu wenden, ist schon einige Male genutzt worden. Das lässt auf ein gutes Vertrauensverhältnis schliessen», sagt Ngoungoure Mofing. Und Jugendliche, die von ihren «Freunden», die noch auf der Strasse leben oder einfach nichts tun, gehänselt werden, weil sie hier eine solch seriöse Ausbildung durchlaufen, verweisen, ganz souverän, auf die grosse Chance in ihrem Leben, die sie nicht vergeben wollen.





